IV. TRIEBE UND INSTINKTE

IV. TRIEBE UND INSTINKTE

1. Erläuterung

Triebe und Instinkte sind dem Hund angeboren und bei den einzelnen Rassen (auch innerhalb derselben Rasse) mehr oder weniger stark ausgeprägt. Der Trieb folgt aus dem Instinkt heraus und drängt nach Triebbefriedigung. Das ist ein angeborenes Verhaltensmuster.

2. Folgetrieb

... der natürliche Folgetrieb des WelpenDem Welpen ist der Instinkt angeboren, seiner Mutter (später Bezugsperson) zu folgen, da er ohne sie zum Tode verurteilt ist. Entfernt sich also die Mutter, wird durch seinen Instinkt der Trieb entfacht, ihr folgen zu müssen, läuft also hinter ihr her. Hat er sie wieder erreicht, ist sein Trieb befriedigt.

Unerwünschte Triebe (z.B. Jagdtrieb = u.a. Stöber- und Hetztrieb) können zwar unterdrückt werden, nie aber völlig aberzogen, denn sie sind ja im angeborenen Verhaltensinventar. Man muß versuchen, den unerwünschten Trieb in eine andere Richtung zu lenken und so z.B. den Stöber- und Hetztrieb über den Spieltrieb abreagieren lassen. Ball- oder Stöckchenwerfen, Dummytraining mit Futterbeutel, Fangspiele (Sie laufen weg, der Hund hinterher), verstecken und anschließendes Suchen von Leckerchen oder Spielzeug. (Sehr gut ist auch Fährtenarbeit).

Bei ständiger Triebunterdrückung entsteht beim Hund ein Triebstau, den der Hund dann auf andere Weise abbauen muß. Nicht selten äußert sich dieses dann in übermäßig aggressivem Verhalten und / oder Zerstörungswut an Gegenständen oder sich selbst (Ersatzhandlungen).

Beispiel

Ein Hund wird Tag und Nacht im Zwinger oder an der Kette gehalten und wird vielleicht höchstens ½ Stunde täglich spazierengeführt, wenn überhaupt. Folge: Der arme Hund kann weder seinen Spieltrieb, Bewegungstrieb, Jagdtrieb noch seinen Meutetrieb befriedigen. Er wird ja zu allem Übel auch noch in Einzelhaft gehalten, obwohl er ein Rudeltier ist (Meutetrieb). Bei diesem Hund entsteht über kurz oder lang zwangsläufig ein großer Triebstau, den er abzureagieren versucht, indem er sich übermäßig aggressiv gebärdet, wenn sich auch nur andeutungsweise jemand dem Grundstück nähert und / oder indem er sich oder seine Zwingereinrichtung zerstört. Diese Hunde werden bei solcher Haltung meist sehr gefährlich und unberechenbar, da sich ein solcher Hund niemals in einem ruhigen, ausgeglichenen Zustand befindet.

Wie eben schon erwähnt, folgt der Welpe seiner Mutter automatisch, um sie nicht zu verlieren. Dasselbe Verhalten zeigt der Welpe nun, wenn er zu seinem neuen Besitzer kommt. Dieser übernimmt für ihn die Mutter / Vaterrolle, also wird er diesem auch automatisch folgen, um ihn nicht zu verlieren. Das Verhalten ist in fremder Umgebung besonders stark zu erkennen.

Mit zunehmendem Alter wird unser Kleiner aber immer selbstbewußter, neugieriger und selbständiger und nimmt es mit dem Folgen nicht mehr so genau. Er sieht zwar immer wieder zu, daß er Herrchen oder Frauchen wiederfindet, macht sich aber langsam auch mal selbständig auf Entdeckungstour und kommt nur noch ab und zu mal zu Ihnen, um zu gucken, ob Sie noch da sind. Dem sollten Sie entgegenwirken und den Folgetrieb so weit ausbauen, daß der Welpe lernt, Sie im Auge zu behalten.

Gehen Sie mit Ihrem Welpen nicht angeleint im Wald spazieren, warten Sie, bis er sich mit irgend etwas beschäftigt und Sie gar nicht mehr beachtet. Dann verstecken Sie sich schnell hinter einem Baum oder Gebüsch und verhalten sich völlig ruhig. Merkt der Welpe nun, daß Sie weg sind, wird er Sie panisch suchen. Hat er Sie nun nach langem hin und her endlich gefunden, freut er sich tierisch und Sie freuen sich dann auch von ganzem Herzen und loben ihn ruhig. Ist er völlig in Panik und kann Sie gar nicht finden (lassen Sie ihn ruhig einige Zeit suchen) rufen Sie ihn leise. Das Verstecken wiederholen Sie sehr oft. So lernt er, Sie ständig im Auge zu behalten und sich nicht aus Ihrem Blickfeld zu entfernen.

Eine gute Methode sind häufige für den Hund unvermutete Richtungswechsel. Wenn er Sie mal wieder nicht beachtet, gehen Sie einfach in die entgegengesetzte Richtung, als wollten Sie ihm weglaufen. Er wird Ihnen stürmisch folgen, um Sie nicht zu verlieren.

3. Spiel- und Bewegungstrieb

Der Dalmatiner gehört zu den Laufhunden. Ein täglicher Spaziergang von mindestens 2 Stunden ist als absolutes Muß anzusehen, und zwar zum größten Teil dort, wo er sich auch richtig ohne Leine austoben, spielen und rennen kann. Ihr Dalmatiner hat ein ungeheures Bewegungsbedürfnis. Kann er das nicht ausleben, so äußert sich das nicht selten in Aggression, Zerstörungswut oder anderen Verhaltensstörungen. Viele Leute meinen, sie hätten ja einen großen Garten. Das ist zwar sehr schön und auch sehr praktisch, wenn man mal nicht so viel Zeit hat. Grundsätzlich braucht er aber seinen täglichen Spaziergang außerhalb des Gartens, um neue Gerüche, Eindrücke und Spielgefährten zu finden.

Abbau von überschüssiger Energie durch Bewegung Wenn Sie sich also für diese sehr lauffreudige Rasse entschieden haben, sollte Ihnen ein täglicher 2-stündiger Spaziergang (bei jedem Wetter) nichts ausmachen. Ich gehe mittags 1 Stunde und abends nochmals 1 Stunde. Wenn Ihr Dalmatiner über 9 Monate alt ist (nicht vorher!!), können Sie mit ihm am Fahrrad fahren oder Reiten oder Joggen. Das macht ihm sehr viel Spaß und kostet viel Energie. Fangen Sie aber keinesfalls zu früh damit an. Denn vor dem 12. Monat sind die Knochen noch nicht richtig gefestigt und die andauernde gleichmäßige Belastung könnte zu groß sein. Denn beim Radfahren, Reiten oder Joggen kann der Hund nicht einfach aufhören, wenn er nicht mehr kann. Er läuft trotzdem einfach weiter. Das wird schwere Knochenschäden zur Folge haben.

Nehmen Sie auf Ihren Spaziergang irgendein Spielzeug mit, das Ihr Welpe besonders mag und spielen Sie viel mit ihm. In die Spiele können Sie immer mal wieder eine Gehorsamkeitsübung einfließen lassen (z.B. "Sitz" machen, bevor Sie den Ball / Stöckchen wieder werfen, Futterbeutel apportieren).

Nichts ist schöner und wichtiger für Ihren Welpen, als mit Artgenossen zu spielen. Vielleicht überlassen Sie es nicht dem Zufall, ob Sie andere Hunde auf dem Spaziergang treffen, sondern verabreden sich mit anderen Hundeleuten. Haben Sie keine Angst, wenn es mal etwas rabiater zugeht. Der Kleine wird öfter mal recht heftig von den Großen zurechtgestutzt und in seine Schranken verwiesen. Sie sollten sich da nicht einmischen. Auch das muß er lernen, damit er weiß, wie weit er gehen kann. Besonders schön wäre es, wenn Sie einen etwa gleichaltrigen Welpen zum Spielen finden könnten. Denn in der Natur wäre der Welpe ja eigentlich noch bei seinen Geschwistern und würde mit diesen seine Rangkämpfe durchspielen. Vielleicht inserieren Sie mal in der Zeitung und / oder machen selbst eine "Welpenspielgruppe". Das ist nämlich eine echt tolle Sache, wenn man den Platz dafür hat. Auch die Menschen können ihre Erfahrungen austauschen und es macht viel Spaß, den Kleinen zuzuschauen, wenn sie mit ständigen Rangeleien ihre Rangpositionen ausfechten. Sollten das Spiel zu grob werden und sich zu sehr aufschaukeln, müssen Sie eingreifen, die Welpen trennen und diese erst in einen entspannten und ruhigen Zustand bringen bevor sie weiterspielen dürfen.

Abbau von überschüssiger Energie durch Bewegung Spielt der Welpe mit erwachsenen Hunden, geht es wie gesagt oft recht rabiat zu. Sie brauchen aber wirklich keine Angst zu haben. Ihr Welpe hat bereits im Rudel seiner Wurfgeschwister gelernt sich unterzuordnen. Diese Eigenschaft wird ihm beim Treffen und Spielen mit anderen, älteren Hunden zugute kommen. Denn die älteren Hunde verlangen von dem jüngeren Hund (Ihr Welpe) Unterwürfigkeit. Zeigt Ihr Dalmatiner das gewünschte Verhalten, so wird der ältere Hund dies akzeptieren, weil Ihr Hund die Rangordnung (in diesem Rudel) anerkannt hat. Irrtümlicherweise wird im Volksmund immer vom Welpenschutz berichtet. Diesen gibt es tatsächlich nicht!! Es ist immer nur das Einhalten und Anerkennen der Rangreihenfolge von jedem Hund in einem Rudel (das sich zum Beispiel zum Spielen trifft und jederzeit aus anderen Hunden bestehen kann). Da die meisten Welpen eine gute Sozialisierungsphase hatten, wird es in den wenigsten Fällen Probleme geben. Es wird allenfalls mal geknurrt, gestupst (Berührung), iüber die Schnauze gefaßt und am Boden gehalten bis der Welpe ruhig und entspannt ist oder der Welpe wird auch mal auf den Rücken gedreht und diese Position wird so lange von dem erwachsenen Hund abverlangt, bis er völlig ruhig und devot ist. Das alles sind Erziehungsmaßnahmen der älteren Hunde, die ihre Rangstufe durchsetzen müssen. Der Welpe muß lernen, sich diesen zu unterwerfen. Also greifen Sie bitte nicht ein, auch wenn es für Sie mal gefährlich aussieht. Natürlich müssen Sie sicher sein, daß Sie es nicht mit einem verhaltensgestörten Hund zu tun haben, der auf alles losgeht, was sich bewegt und dem die Rangreihenfolge überhaupt nicht wichtig ist. Solch ein Raufer wird nie der "Boß" von einem Rudel. Aber das hatte ich Ihnen ja schon am Anfang berichtet.

4. Jagdtrieb

... Umlenken des Jagdtriebes auf den Dummy oder FutterbeutelAngeblich ist der Jagdtrieb beim Dalmatiner so gut wie herausgezüchtet, es muß aber nicht so sein! Ich kenne Dalmatiner, bei denen ein Kaninchen oder Reh vor der Nase herlaufen kann und es interessiert sie nicht. Der Dalmatiner zeigt vor allem Stöber- und Vorsteheigenschaften, weniger aber Apportierfreude.

Bemerken Sie, daß auch Ihr Dalmatiner sein Jagdhunderbe nicht verleugnen kann und anfängt, Interesse für Kaninchen und ähnliches zu zeigen, versuchen Sie ihn schnellstens (Entdecken Sie das Wild eher wie Ihr Hund!!!) daran zu hindern, lenken Sie sein Verhalten um und spielen mit ihm statt dessen ausgiebig, sehr gut dazu eignet sich dazu ein Futterbeutel den Sie werfen, der Hund ihn zurückbringt und er daraus mit einem Leckerchen belohnt wird.

Beispiel

Bemerken Sie nun, daß Ihr Dalmatiner hinter irgendetwas herjagen will und Sie haben ihn an der langen Leine, ist die Sache ganz einfach. Sie lassen ihn einfach voll in die Leine laufen, rucken dabei noch mit allen Kräften und sagen gleichzeitig "Hey" oder "Nein". Ist er aber nicht angeleint, ist das Ganze viel schwieriger, ich kann selbst ein Lied davon singen. Jagt Ihr Hund nun hinter dem Wild her, dann rufen Sie ausnahmsweise mal laut "Hey" oder "Nein" und poltern sofort hinter ihm her und werfen - wenn das noch möglich ist - einen Wurfgegenstand, um ihn aus seinem Verhalten zu reißen. Wenn Sie Glück haben, erschrickt er sich so über Ihre ungewohnt laute Verhaltensweise, daß er prompt stehenbleibt. Nun eilen Sie zu ihm, disziplinieren ihn auf die oben beschriebene Art und Weise und sagen sehr bestimmend "Hey" oder "Nein". Er darf ruhig etwas quieken, das macht gar nichts. Dann leinen Sie den Hund an, bringen ihn wieder auf den Weg, wo er hingehört und machen eine Weile einen "strukturierten Spaziergang" an der Leine, so dass er neben bzw. hinter Ihnen geht, nicht schnüffeln oder pinkeln darf. Dann nehmen Sie ein Stöckchen oder einen Ball oder ähnliches und spielen mit ihm.

Es kommt ganz auf das Temperament Ihres Hundes an, wie hart Sie in diesem Fall mit ihm umgehen müssen. Bei dem einen reicht schon eine leichte Disziplinierung, beim anderen muß man schon etwas härter sein. Das müssen Sie selbst herausfinden. Nun mal gesetzt den Fall, Sie waren nicht schnell genug als der Hund weglief oder er ist trotz Ihres Hinterherpolterns und "Hey" oder "Nein" nicht stehengeblieben, bleiben Sie an Ort und Stelle und verstecken Sie sich irgendwo, bis er wiederkommt. Der Hund wird immer an die gleiche Stelle zurückkommen. Wenn er dann kommt und Sie nicht sieht, wird er erst mal erschrecken und Sie suchen. Hat er Sie gefunden, loben Sie ihn ruhig ohne Zorn und Frust, nehmen ihn an die Leine und machen wiederrum einen "strukturierten Spaziergang", damit er sich wieder auf Sie konzentriert. Bestrafen Sie den Hund keinesfalls, wenn er von seinem Ausflug zurückkommt. Er kann das Weglaufen nicht mit der Strafe verbinden, sondern wird "das wieder zu Ihnen kommen" mit der Strafe verbinden. Bestraft man ihn jetzt, erzieht man sich am schnellsten einen handscheuen Hund. Leider machen sehr viele Hundehalter diesen Fehler, weil Sie meinen, der Hund "wüßte" schon genau, weshalb er bestraft wird. Aber woher soll er das wissen. Alles was er getan hat, war für ihn natürlich. Der Hund kann - wie schon erwähnt - aber nur das unmittelbar vorher passierte mit Ihrer Reaktion (egal ob Lob oder Strafe) verknüpfen. Also kommt der Hund zurück, loben Sie ihn kräftig, auch wenn Sie eigentlich wütend sind, weil er weggelaufen ist. Beim nächsten Mal erwischen Sie ihn vielleicht rechtzeitig, wenn er gerade weglaufen will. Hier müssen Sie eben Geduld haben.

5. Sinnvolle Beschäftigung des Dalmatiners

... die Arbeit in der RettungshundestaffelDer Dalmatiner hat neben seinem edlen, athletischen Erscheinungsbild und seinem wundervollen Wesen natürlich noch einiges mehr zu bieten.

Bekanntermaßen wurde der Dalmatiner früher als Jagdhund und auch als Kutschenbegleithund eingesetzt. Einige seiner Eigenschaften hat er im Laufe der Jahre verloren, seit er nicht mehr für die Jagd, oder als Begleiter für die Kutsche gezüchtet wird. Sein Beschäftigungswillen und seine Vielseitigkeit sind ihm im Laufe der Jahre aber nicht verloren gegangen.

So kommt es, dass man den Dalmatiner heute in einer ganzen Bandbreite von Hundesportarten wieder finden kann. Beim Agility, Dummyarbeit, Mantrailing oder Arbeit als Rettungshund macht er eine hervorragende Figur, um nur einige Wenige davon zu nennen.

Von unseren Welpenkäufern hören wir des Öfteren, dass sich Hunde aus unserer Zucht bei der Dummyarbeit (Apportiertraining), dem Mantrailing, beim ZOSsen (Zielobjektsuche), oder in der Rettungshundearbeit bewährt haben und mit viel Spaß und Konzentration bei der Sache sind.

Die Arbeit mit dem Hund macht nicht nur viel Spaß, sondern bietet auch eine gute Grundlage, um mit seinem Vierbeiner zu einem Team zusammenzuwachsen.

Welche Sportart oder Beschäftigung für welchen Dalmatiner die Richtige ist, hängt natürlich vom jeweiligen Dalmatiner und von Frauchen oder Herrchen ab, je nachdem für was man sich selbst und seinen Hund begeistern kann.

Das Angebot ist heute größer und vielseitiger als je zuvor. Ob und wie man seinen Vierbeiner beschäftigt bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Die Grundlagen und ein freudiger Arbeitswille sind beim Dalmatiner auf jeden Fall vorhanden.

Fotoimpressionen: 

... Teamarbeit und Spaß beim Agility
... Teamarbeit und Spaß beim Agility
... Teamarbeit und Spaß beim Agility
... Teamarbeit und Spaß beim Agility
... Freude im Team bei der Dummyarbeit (Apportiertraining)
... Freude im Team bei der Dummyarbeit (Apportiertraining)